Wer unterrichtet da eigentlich?

So, oder so ähnlich hat das wohl mal bei mir angefangen. Nach meinen ersten Klimmzügen am Klavier setzte mein Vater mich irgendwann auf den höchsten Hocker, den er finden konnte … und dann ging’s los. 🙂

Kurze Zeit später steckten mich meine Eltern in die musikalische Früherziehung bei Frau Schäfer. Mit 6 Jahren ging ich zum Einzelunterricht am Klavier bei Johannes Korth, der mich bis ins junge Erwachsenenalter unterrichtete und förderte. Bei ihm lernte ich das Klavierspiel, Musiktheorie und Gehörbildung. Seine Leidenschaft für Jazz, Rhythm’n’Blues und Funk steckte mich sofort an. Bis heute ist diese Verbindung zu einer engen Freundschaft geworden.

Mit 10 Jahren fragte mein Musiklehrer im Gymnasium in die Runde, ob jemand Lust hätte Posaune zu lernen. Es gäbe noch Leih-Instrumente, und die Schulband bräuchte ein paar neue Bläser. Ich bin mir nicht sicher, ob ich damals schon wusste, wie eine Posaune funktionierte. Aber spontan meldete ich mich und sagte „Klar!“ So kam ich an mein zweites Instrument. Dadurch eröffneten sich unter verschiedenen Lehrern und Dozenten neue Möglichkeiten für mich – das Musizieren im Ensemble.

Über das Sprungbrett Schulband und verschiedene Musikwettbewerbe bekam ich die Chance, in renomierten Orchestern mitzuspielen. Dem Jazzorchester Rheinland-Pfalz unter Georg Ruby, der Mainzer BigBand, eigenen Kombos und kleineren Formationen zu verschiedenen Fortbildungen bei Dozenten wie Prof. Frank, Frank Lichtenberg, Chris Walden und anderen.

Meine Begeisterung für Musik schwappte irgendwann auf weitere Instrumente über, die ich mir einfach schnappte und damit tage- und nächtelang unsere Nachbarn quälte. So sammelten sich in den Jahren praktische Erfahrungen mit Gitarre, Querflöte, Didgeridoo, Djembe, Ukulele und Geige. Weitere kamen und kommen noch dazu.

Zivildienst leistete ich bei der Behindertenseelsorge im Bistum Mainz. Dieses Jahr war für mich besonders wichtig. Ich sammelte mehr Erfahrung als in allen Jahren vorher zusammen. Ich lernte, wie Musik Menschen verbindet. Sie kann berühren. Damit kann man Menschen erreichen. Das hat mir so gut gefallen, dass ich dort bis heute ehrenamtlich tätig bin.

Nach dem Zivildienst führte mein Weg nach Windesheim zur Firma Oberlinger. dort absolvierte ich eine Ausbildung zum Orgel- und Harmoniumbauer. Ein wirklich toller Beruf! Nach ein paar Jahren vermisste ich aber die Arbeit mit Menschen, die mich im Zivildienst so fasziniert hatte. Und so bewarb ich mich also für ein Musikstudium am Peter-Cornelius Konservatorium in Mainz.

Und hier schloss sich mit einer netten Begegnung der Kreis…

Als ich im Frühjahr 2005 in den Dahlberger Hof auf dem Weg zum Bewerbungsgespräch war, kam mir im Flur des Konservatoriums eine alte Bekannte entgegen. Fr. Schäfer! Meine erste Lehrerin in der Früherziehung. Nach 20 Jahre erkannte sie mich sofort, strahlte mich an und rief mir fröhlich „Hallo Florian!“ entgegen … und still sang ich für mich die Antwort unseres rituellen Begrüßungsverses, wie vor zwanzig Jahren zu Beginn jeder Unterrichtsstunde: „Ja, Frau Schäfer ich bin da.!“ 🙂 So sollte Sie mich also nach langer Zeit wieder Musik lehren.

Nach der erfolgreichen Aufnahmeprüfung studierte ich Instrumentalpädagogik Klavier bei Herrn Lange sowie im zweiten Studiengang elementare Musikpädagogik bei Frau Schäfer und Frau König. Im Nebenfach wechselte ich nach kurzer Zeit von der Posaune zu Gesang und Chorleitung.

Inzwischen unterrichte ich länger als 10 Jahre Klavier im Rhein-Main-Gebiet. Seit 8 Jahren leite ich verschiedene Vokal-Ensembles und Chöre. Durch meine Verbindungen zur Behindertenseelsorge  und einigen Förderschulen konnten wir in diesen Jahren auch das ein oder andere Musikinstrumentenbau-Projekt in meiner kleinen Werkstatt umsetzen. Es ist spannend, wenn man nicht nur „einfach“ ein Instrument spielt sondern auch versteht, wie die Klänge zustande kommen und mit seinen eigenen Händen ein Musikinstrument erschaffen kann.

Heute möchte ich vor allem meine Begeisterung für Musik und Klänge teilen und weitergeben.
Musizieren, ob gemeinsam oder für sich alleine, ob am Klavier, mit der eigenen Stimme oder der Gitarre in netter Runde, hat mein ganzes Leben geprägt und ist ein wichtiger Begleiter für mich geworden. Ob man nun einen Beruf daraus macht oder es als besonderes Hobby für sich behält ist dabei gar nicht so wichtig.